Project Description

Welche Information oder Behandlung ist verlässlich? Das bestimmt nicht die Erfahrung Einzelner, sondern der Nachweis durch ein umfassendes, systematisches Vorgehen. Wir erklären, wie’s funktioniert.

Autor:innen: Christoph Holz, Gesundheitswissenschaftler

Review: Dr. Lars Jäger, Neurowissenschaftler
Letzte Überprüfung: Februar 2022

Wer sich über Arthrose oder Behandlungsmöglichkeiten informiert, stolpert früher oder später über die Begriffe „Evidenz“ oder „evidenzbasiert“. Auch alley arbeitet evidenzbasiert. Im Folgenden wird erklärt, was es mit diesen Begrifflichkeiten auf sich hat.

Für eine Behandlung ist es entscheidend, dass Ärzt:innen und Patient:innen über verlässliche medizinische Informationen zu der Krankheit, den Therapiemöglichkeiten und Medikamenten verfügen. Diese Informationen sind Voraussetzung dafür, dass die moderne Medizin auf der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschung beruht und im Interesse der Patienten die besten Behandlungsmöglichkeiten gefunden werden. Kombiniert mit der vorhandenen Erfahrung aus der Praxis sorgt das für ein hohes Maß an Sicherheit und Qualität in der Behandlung.

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Evidenz

Welche Information oder Behandlung gilt als verlässlich? Das soll nicht die Erfahrung Einzelner bestimmen, sondern ein Nachweis. Der Begriff „Evidenz“ bezeichnet genau diesen Nachweis. Das Wort kann vom englischen „evidence“ abgeleitet werden, das übersetzt Beweis oder Beleg bedeutet oder dem lateinischem „evidentia“, das „Einsichtigkeit“ bedeutet.

Für eine medizinische Vorgehensweise, wie eine Therapie, liegt Evidenz vor, wenn die Wirksamkeit nachgewiesen wurde. Dieser Nachweis kann beispielsweise über die Durchführung einer klinischen Studie erfolgen. Klinische Studien unterliegen wiederum strengen Regeln. Das stellt sicher, dass niemand das Ergebnis beeinflussen kann und eine Studie bei einer Wiederholung zu denselben Ergebnissen führt. Die Ergebnisse von Studien werden unter anderem in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Evidenzbasierte Medizin

Man spricht von evidenzbasierter Medizin, wenn wissenschaftliche Belege und Beweise die Handlungsgrundlage für medizinische Behandlungen oder Entscheidungen bilden.

""

Evidenzbasierte Medizin ist die gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Nutzung der Gegenwärtigen besten wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten. Evidenzbasierte Medizin erfordert die Integration der besten Evidenz aus der Forschung mit unserer klinischen Expertise und den individuellen Bedürfnissen und Situation unseres Patienten.

"" David Sackett

Die Idee der evidenzbasierten Medizin entstand in den 1980er Jahren. Nachdem man beobachtete, dass viele medizinische Vorgehensweisen wissenschaftlich nicht begründet werden konnten oder andersherum, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ausreichend in der Praxis ankamen.
Evidenzbasierte Medizin umfasst also einen Prozess von der Bewertung vorhandener Studien, bis zum Transfer in die Praxis.

Vorgehensweise der evidenzbasierten Medizin

  • Klinische Fragestellung
    Formulierung einer möglichst genauen Forschungsfrage. Diese muss mit Ja oder Nein beantwortet werden können.

  • Informationsbeschaffung
    Eine systematische – also nach transparenten, festen Regeln durchgeführte – Recherche von Studien.

  • Auswertung
    Alle gefunden Studien werden ausgewertet. Ziel ist, die Qualität der gefunden Studien zu bewerten. Die Qualität einer Studie geht unteranderem damit einher, wie diese durchgeführt wurde (Forschungsdesign) oder wie viele Menschen an der Studie teilnahmen.
    Auch die Auswertung erfolgt systematisch. Das Vorgehen ist so genau geregelt, dass eine erneute Auswertung zu den gleichen Ergebnissen kommt. Die Meinung einzelner Forschenden zählt hingegen nicht.
  • Anwendung
    Das gewonnene Wissen muss nun aus der Forschung in die Praxis kommen: Ärzt:innen und andere Akteure – wie auch alley – müssen von den Erkenntnissen erfahren. Nur so können Behandlungsschritte und Therapiemöglichkeiten danach ausgewählt werden, dass sie auch erwiesen funktionieren. Das betrifft auch die Aufbereitung von Gesundheitsinformationen. Sichergestellt wird dies durch Leitlinien und Empfehlungen.
  • Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V., www.ebm-netzwerk.de/
  • Sackett D L, Rosenberg W M C, Gray J A M, Haynes R B, Richardson W S. Evidence based medicine: what it is and what it isn’t BMJ 1996; 312 :71 doi:10.1136/bmj.312.7023.71
  • Klemperer, D (2020). Sozialmedizin – Public Health – Gesundheitswissenschaften. 4., überarb. u. erw. Aufl.

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