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Gelenkschmerzen in Knie und Hüfte betreffen viele Menschen. Lesen Sie hier, wie Schmerzen entstehen, welche Unterschiede es gibt und was Sie bei Schmerzen im Gelenk tun können.

Autor:
David Endres, Physiotherapeut & Gesundheitswissenschaftler

Review:
Dr. Andreas Hellmann, Neurowissenschaftler
Letzte Überprüfung: Oktober 2021

Gelenkschmerzen betreffen viele Menschen und sind sehr vielfältig. 55% der Menschen in Deutschland leiden im Laufe eines Jahres unter Gelenkschmerzen. Es kann ein Gelenk oder mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sein. Knieschmerzen treten dabei meist etwas häufiger auf als Hüftschmerzen. Die Schmerzen gehen häufig von Teilen des Gelenkes, wie den Knochen, der Gelenkkapsel oder den Bändern aus. Umliegende Strukturen, wie Muskeln oder Sehnen können ebenfalls für die Gelenkschmerzen verantwortlich sein.

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Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Schmerzen entstehen im Gehirn und können als Alarmzustand, aufgrund einer tatsächlichen oder drohenden Verletzung verstanden werden.
  • Gelenkschmerzen können akut oder chronisch sein.
  • Schmerzen haben eine Warnfunktion. Bei chronischen Schmerzen ist die Warnfunktion gestört.
  • Gefühle, Emotionen, die familiäre und berufliche Situation spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Wahrnehmung von Schmerzen.
  • Schmerzen zu messen und zu dokumentieren, beispielsweise in einem digitalen Schmerztagebuch kann Ihnen Kontrolle über Ihr Schmerzerleben geben.
  • Körperliche Aktivität und Bewegung helfen bei chronischen Schmerzen.
  • Eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsansätzen ist die effektivste Maßnahme gegen chronische Gelenkschmerzen.

Was sind Ursachen für
Knie- und Hüftschmerzen?

Ursachen, die mit Schmerzen in Hüfte oder Knie in Zusammenhang stehen, können

  • Verletzungen von Muskeln, Sehnen, Knochen, Bändern oder der Gelenkkapsel,
  • Überlastungen,
  • Erkrankungen, wie Gicht, Morbus Bechterew, rheumatoide Arthritis oder Psoriasis Arthritis
  • Arthrose,
  • Infektionen
  • oder Entzündungen sein.

Wie entstehen akute Schmerzen?

Bei einer akuten oder drohenden Schädigung eines Körperteils werden an der betroffenen Stelle kleine Sensoren gereizt. Diese Sensoren werden Nozizeptoren genannt. Wenn der Reiz stark genug ist, werden Signale aus der betroffenen Stelle zum Rückenmark geleitet. Das Rückenmark liegt in der Wirbelsäule und ist Teil des zentralen Nervensystems. Über das Rückenmark wird das Signal auf Bahnen zum Gehirn geleitet. Diese Bahnen werden aufsteigende Nervenbahnen genannt. Im Gehirn wird das Signal dann an verschiedene Zentren geschickt und auf unterschiedliche Weise bewertet.

Manche Bereiche bewerten körperliche Aspekte, wie

  • die Herkunft des Reizes
  • die Stärke des Reizes
  • das Ausmaß des Schadens.

Andere Bereiche bewerten emotionale Aspekte, wie

  • Ihre aktuelle Stimmungslage und
  • Ihre erlebten Erfahrungen mit dem (Schmerz-)Reiz.

Nach dieser Bewertung entsteht das individuelle Gefühl Schmerz.

Abbildung einer Person und Zusammenhang Sensor und Gehirn zur Schmerzwahnehmung

Was ist der Unterschied zwischen
akuten und chronischen Schmerzen?

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Akute Schmerzen können Minuten, Stunden oder wenige Wochen anhalten. Sie verschwinden in der Regel von selbst oder nach einer Behandlung der Ursache. Wenn die gleichen Schmerzen länger als 3 Monate anhalten oder immer wiederkehren, wird von chronischen Schmerzen gesprochen. Die Ursache für chronische Schmerzen ist nicht immer auf eine Schädigung einer Struktur zurückzuführen.

Bei der Entstehung chronischer Schmerzen spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • Psychische Faktoren, wie Stimmungslage oder empfundene Selbstwirksamkeit
  • Soziale Faktoren, wie persönliches Umfeld oder berufliche Situation
  • Biologische Faktoren, wie die Struktur der Gelenke oder Geschlecht

Welche Funktion haben Schmerzen?

Akute Schmerzen können als Warnung vor einer akuten oder drohenden Schädigung verstanden werden. Diese Warnfunktion ist überlebenswichtig und löst schützende Reaktionen aus. Beispielsweise ziehen Sie sofort Ihre Hand weg, wenn Sie eine heiße Herdplatte anfassen. Oder Sie schonen sich, wenn sich Ihr Gelenk entzündet und Schmerzen verursacht.

Besonderheiten bei chronischen Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen ist die Warnfunktion gestört und der Schmerz kann häufig nicht mehr auf eine Verletzung zurückgeführt werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich trotz Schmerzen zu bewegen oder zu trainieren, um ein optimales Bewegungsverhalten wiederzuerlangen. Außerdem können angeleitete Übungen mit Ihrem Physiotherapeuten oder Ihrer Physiotherapeutin helfen die Angst vor Bewegungen zu reduzieren.

Auf welche Anzeichen Sie bei Gelenkschmerzen unbedingt achten sollten

Verletzungen oder spezielle Erkrankungen, wie rheumatoide Arthritis oder Entzündungen können sich als Gelenkschmerzen äußern. Wenn Gelenkschmerzen in Kombination mit bestimmten Anzeichen auftreten, könnte eine schwerwiegende Verletzung oder Erkrankung vorliegen Dazu gehören:

  • Fieber
  • Überwärmung
  • Schwellung
  • Rötung
  • Gehunfähigkeit
  • Stärkste Schmerzen
  • Unbekannter Ruheschmerz
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Atemnot
  • Schmerzen infolge eines Sturzes oder Unfalls
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Treten Gelenkschmerzen in Kombination mit diesen Anzeichen auf, sollten Sie schnellstmöglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren.

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Gelenkschmerzen in Knie oder Hüfte

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Verlauf und Empfindung von Gelenkschmerzen sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Darum ist es für Sie und Ihre Behandler:innen wichtig, Ihr Schmerzverhalten zu kennen. Mit dem digitalen Schmerztagebuch von alley können Sie ihre Schmerzen beobachten und die Wirksamkeit von Behandlungsschritten und Aktivitäten nachzuvollziehen.

Wissensartikel und Videos, wissenschaftlich geprüft, um Arthrose und die nächsten Behandlungsschritte besser zu verstehen. Damit Sie Ihren Behandlungsweg aktiv mitgestalten können.

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Teilen Sie auf Wunsch auch Ihre Gesundheitsdaten direkt mit Ihren Ärzt:innen. Durch den integrierten PDF Export können Sie Ihre Daten ausdrucken und zum nächsten Termin mitnehmen. Medikamente, Therapie- und Trainingspläne können an Ihre Bedürfnisse angepasst werden, damit Sie und nicht die Schmerzen Ihren Alltag bestimmen.

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