Arthrose ist eine weitverbreitete Erkrankung der Gelenke. Viele Menschen leiden an einer Kniearthrose oder Hüftarthrose. Lesen Sie hier, wie Arthrose entsteht, welche Ursachen es gibt und was Sie bei Arthrose tun können.

Autor:innen:
Marie Hohensee, Public Health
Christoph Holz, Gesundheits­wissenschaftler

Review:
Dr. med. Anne Latz, Ärztin
Letzte Überprüfung: Januar 2022

Der menschliche Körper besteht aus vielen Gelenken. Diese halten im Laufe eines Lebens viel aus. Das Kniegelenk zum Beispiel federt bei jedem Schritt das 3,5-fache des Körpergewichts ab. Eine flexible Knorpelschicht auf den Gelenkflächen der Knochen gibt wie ein Stoßdämpfer unter Druck nach und federt Belastungen ab. Alltägliche Beanspruchungen kann der Körper für gewöhnlich gut selbst ausgleichen. Denn das geschädigte Gewebe der Gelenkknorpel kann sich zu einem gewissen Grad erholen. Diesen Prozess nennt man Regeneration.

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Wie entsteht Arthrose?

Arthrose entsteht, wenn die Knorpelschicht des Gelenkes zu stark belastet werden und der Körper diese Belastung nicht mehr ausgleichen kann. So kann es zu einer Schädigung des Knorpels kommen. Risikofaktoren können Übergewicht oder eine Fehlstellung der Gelenke sein.

Was sind Ursachen für Arthrose?

Es gibt verschiedene Umstände, die das Risiko einer Arthrose erhöhen. Diese Risikofaktoren können beeinflussbar, also durch den eigenen Lebensstil veränderbar sein, oder biologisch bedingt und somit nicht zu verändern sein:

Arthrose Risikofaktoren

  • Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Arthrose.

  • Fehl- oder Überbelastungen der Gelenke durch einzelne Sportarten oder Berufsgruppen erhöhen das Risiko einer Arthrose.

  • Übergewicht gilt als Risikofaktor für eine Arthrose des Knie- oder Hüftgelenks.

  • Frauen entwickeln im Alter häufiger Gelenkerkrankungen.

  • Von Geburt an bedingte Kniegelenksfehlstellungen erhöhen das Risiko einer Arthrose.

Schmerzen bei Arthrose treten dann auf, wenn die Knorpelschicht schwindet und Knochen auf Knochen reibt. Bedingt durch die Beschwerden im Gelenk sind Bewegungen häufig eingeschränkt.

Wie häufig ist Arthrose?

Etwa fünf Millionen Menschen leiden in Deutschland an Symptomen, die durch Arthrose verursacht werden. Am häufigsten tritt Kniearthrose auf, gefolgt von Hüftarthrose und Arthrose im Daumensattelgelenk, also dem Gelenk zwischen Handwurzel und Daumen. Grundsätzlich kann aber jedes Gelenk von einer Arthrose betroffen sein.

Im mittleren Alter gibt es einen deutlichen Anstieg von Arthrose: So hat fast jede zweite Frau (48,1%) über 65 Jahren Arthrose. Bei den Männern sind es fast ein Drittel (31,2%). Bei etwa 80 Prozent der Menschen über 55 Jahre sind Anzeichen einer Hüftarthrose auf einem Röntgenbild zu erkennen. Nicht immer geht dies aber mit Symptomen wie Schmerzen einher.

Lesen Sie hier mehr über die Verbreitung von Gelenkbeschwerden und Arthrose in Deutschland.

Anteil der Frauen über 65 die Arthrose haben: 48 von 100
Anteil der Männrt über 65 die Arthrose haben: 32 von 100

Was sind Arthrose Symptome?

Die Symptome einer Arthrose unterscheiden sich stark von Person zu Person. Im Frühstadium ist eine Arthrose noch nicht mit Beschwerden wie Schmerzen verbunden. Wenn auf Röntgenbildern Anzeichen einer Arthrose zu sehen sind, aber keine Symptome vorliegen, wird dies „stummes Stadium“ genannt. Meist fällt Aufmerksamkeit auf ein Gelenk, wenn eins der folgenden Symptome auftritt:

  • Gelenkschmerzen: zu Beginn ist meist ein Schmerz typisch, der bei Belastung auftritt, der sogenannte Belastungsschmerz. Im Verlauf kommt der Anlauf- und der Ruheschmerz hinzu.

  • Steifigkeitsgefühl: Dieses kann morgens, nach dem Aufstehen oder nach längeren Phasen ohne Bewegung auftreten.

  • Bewegungseinschränkungen: Bestimmte, auch gewohnte, Bewegungen fallen nach und nach schwerer.

Gelenkschmerzen können verschiedene Ursachen wie Verletzungen, Entzündungen oder rheumatoide Arthritis haben. Schmerzen in Kombination mit Fieber, Schwellungen, Rötungen deuten darauf hin, dass es sich nicht um Arthrose handelt. Sprechen Sie für eine Klärung immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

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    Arthrose vorbeugen und Symptome lindern

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Belastung und Regeneration im Gleichgewicht zu halten. Zum Beispiel helfen ein gesundes Körpergewicht, eine ausgewogene Ernährung und angemessene Bewegung, die Belastung des Knorpels zu reduzieren.

    Arthrose und Ernährung

    Eine ausgewogene Ernährung kann Arthrose zwar nicht verhindern. Jedoch spielt die Ernährung bei Arthrose sowohl präventiv als auch therapeutisch eine wesentliche Rolle und hat einen positiven Einfluss auf die Gelenkgesundheit. Mithilfe der angepassten Ernährungsform werden die Gelenkknorpel mit ausreichend Nährstoffen versorgt. Neben der Hemmung von Entzündungen durch die Nährstoffe, kann eine Gewichtsreduktion durch eine ausgewogene Ernährung dazu beitragen, dass die Gelenke durch ein gesundes Körpergewicht entlastet werden.

    Eine vollwertige Ernährung kann die körpereigene Regeneration anregen. Ihre Ernährung sollte ausreichend Vitamine, Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe umfassen. Diese Nährstoffe sind vor allem in frischem Obst und Gemüse, Nüsse und Samen enthalten. Ideale Durstlöscher und Flüssigkeitslieferanten sind Wasser sowie ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees.

    Förderlich für die Gelenkgesundheit sind:

    • Obst und Gemüse wie Orangen, Zitronen oder Brokkoli für ausreichend Vitamin C

    • Grünes Gemüse und in Maßen Milchprodukte für Kalcium

    • Seefische, Leber oder Eigelb für Vitamin D

    Fleisch, Wurst oder Milchprodukte sollten nur in Maßen gegessen werden, da diese Entzündungsprozesse im Körper fördern.

    Mehr über Ernährung bei Arthrose

    Sport und Bewegung

    Regelmäßige Bewegung fördert die Gelenkgesundheit und kann Symptome einer Arthrose lindern. Auch, wenn Sie ihre Gelenke bei Schmerzen schonen möchten: bei arthrosebedingten Schmerzen geht eine regelmäßige körperliche Aktivität nicht mit einem erhöhten Risiko einher. Ein Bewegungsmangel hingegen stellt einen Risikofaktor für die Entstehung von Arthrose dar.

    Warum Bewegung bei Arthrose wichtig ist?

    • Bewegung verbessert die Nährstoff-Versorgung für den Knorpel.

    • Eine kräftige Muskulatur fördert die Stabilität der Gelenke.

    • Aktivität vermeidet oder vermindert Übergewicht: die Belastung der Gelenke wird reduziert.

    Sport bei Arthrose sollte mit leichten Belastungen und wiederholenden Bewegungsmustern einhergehen. Radfahren, Walking oder Aquasport sind optimale Sportarten bei Arthrose.

    Mehr über Sport & Arthrose
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    Treiben Sie Sportarten, die wenig gelenkbelastend sind. Als besonders gelenkfreundlich gelten Walking, Wassergymnastik oder Rad fahren. Ihr Physiotherapeut liefert Ihnen gerne Vorschläge für Übungen oder weitere Sportarten.

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    Was tun bei Arthrose?

    Bei der Behandlung einer Arthrose gibt es verschiedene Möglichkeiten. Gezielte Behandlungen verringern den Schmerz, verbessern die Beweglichkeit des Gelenkes und tragen zu einer höheren Lebensqualität bei. Was Sie tun können bei Arthrose:

    • Konservative Therapien nennt man die Behandlungsmöglichkeiten einer Arthrose ohne Operation. Dies umfasst physiotherapeutische Maßnahmen mit dem Ziel Ihre Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer zu verbessern. Medikamente können helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.

    • Operative Therapien können in einem fortgeschrittenen Stadium zum Einsatz kommen. Es gibt verschiedene Arten von Operationsverfahren bei Arthrose. Sie unterschieden sich darin, ob ihr Gelenk erhalten bleibt oder ersetzt wird. Den richtigen Zeitpunkt sowie Nutzen und Risiken einer solchen Operation sollten Sie sorgfältig mit Ihrem Ärzten besprechen.

    • Regen Sie die körpereigene Regeneration durch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung im Alltag an. Oben haben wir Beispiele zur Linderung der Symptome dargestellt.

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    Um Gelenke zu entlasten und den Nährstoffaustausch zu fördern, sollte Übergewicht bei Arthrose vermieden werden. Strukturierte Programme können helfen Ernährungsgewohnheiten langfristig zu verändern. Sprechen Sie Ihre Behandler:innen an, um Informationen oder Unterstützung auf dem Weg zu Ihrem Normalgewicht zu erhalten.

    Stadien einer Arthrose

    Arthrose entwickelt sich über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Krankheitsverlauf wird in unterschiedliche Stadien eingeteilt. Diese werden mithilfe bildgebener Verfahren, darunter fallen zum Beispiel Röntgenaufnahmen, gemessen. Das Stadium einer Arthrose kann Hinweise über anstehende Behandlungsschritte geben

    • Stadium 0: Keine Arthrosezeichen auf dem Röntgenbild
    • Stadium 1: Nicht eindeutige Veränderungen des Gelenks
    • Stadium 2: Beginnende Arthrose mit leichten Veränderungen des Gelenks
    • Stadium 3: Fortgeschrittene Arthrose mit mäßigen Veränderungen des Gelenks
    • Stadium 4: Schwere Arthrose mit ausgeprägten Veränderungen des Gelenks

    Teilweise sagen diese Stadien jedoch wenig über die empfundenen Beschwerden aus, da sie sich ausschließlich auf die Veränderungen im Röntgenbild beziehen. Bei der Planung einer Behandlung wird auch der persönliche Leidensdruck berücksichtigt.

    Mehr über die Stadien einer Arthrose

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    AWMF (2017). S2k-Leitlinie „Gonarthrose“. Registriernummer 033-004. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-004.html.

    AWMF (2019). S2k-Leitlinie „Koxarthrose“. Registriernummer 033-001. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/033-001.html

    Rabenberg, M. (2013). Arthrose. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 54. doi: 10.25646/3166

    Bork, H., & Gottfried, T. (2020). Konservative Therapie der Arthrose unter Berücksichtigung der Physikalischen Therapie. Aktuelle Rheumatologie, 45(01), 59-66.

    Bender, T. T. A., Marinova, M., Radbruch, L., Conrad, R., Jobst, D., & Mücke, M. (2017). Kniegelenkschmerzen bei Arthrosezeichen. Der Schmerz, 31(3), 319-333.

    Cassel, M., Krickhahn, A., Krause, P., & Mayer, F. (2017). Bewegung und Arthrose. In Körperliche Aktivität und Gesundheit (pp. 289-298). Springer, Berlin, Heidelberg.

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