Autoren: Dr. Lars Jäger, Neurowissenschaftler & Julia Bitz, Gesundheitswissenschaftlerin

Bei einem ausbleibenden Erfolg konservativer Maßnahmen, stellt die totale Endoprothese des Knie- oder Hüftgelenks zur Behandlung einer Arthrose den therapeutischen Goldstandard dar.

Aufgrund steigender Fallzahlen und dem hohen zeitlichen Druck im klinischen Behandlungsalltag ergeben sich sowohl auf Seiten der Behandler:innen, wie auch auf Seiten der Behandelten häufig nur zeitlich eingeschränkte Möglichkeiten für einen ausführlichen Informationsaustausch oder gar eine emotionale Begleitung.

Eine Möglichkeit diese zeitlichen Engpässe zu reduzieren und die strukturelle Versorgung von Patient:innen zu optimieren liegt in der Nutzung von digitalen Mitteln, welche als Schnittstelle zwischen Behandelnden und Behandelten dient. Aus diesem Grund haben wir die alley App entwickelt.

Die alley Studie

Zur Überprüfung der Wirksamkeit der alley App wurde eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie (RCT) an acht Standorten in Deutschland durchgeführt. Die Studienleitung übernahm PD Dr. med. Jan Hubert vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Um Effekte im Verlauf des Behandlungspfades zu beobachten, wurden vier Messzeitpunkte definiert: vier bis sechs Wochen vor einem operativen Eingriff, zehn Tage nach einer Operation, sowie ein und drei Monaten nach einer Operation. Hierbei nutzten die Teilnehmenden der Interventionsgruppe die alley App, während die Kontrollgruppe die Goldstandardbehandlung ohne Unterstützung einer digitalen Begleitung erhielt.

Die Studienergebnisse im Überblick

  • Funktionsstatus der Interventionsgruppe verbessert sich im Vergleich zur Kontrollgruppe aufgrund der Nutzung von alley
  • Patient:innen berichten weniger Einschränkungen in Alltag und Sport

  • Ärzt:innen berichten weniger Aufwand im Behandlungsgespräch und eine höhere Gesundheitskompetenz ihrer Patient:innen

  • Patient:innen berichten weniger Schmerzen nach einer Hüft-OP

Positiver Struktur- und Versorgungseffekt nachgewiesen

Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen die Hypothese, dass sich der Funktionsstatus der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe aufgrund der Nutzung von alley verbessert. Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass durch alley besser vorbereitete Patient:innen weniger Schmerzen nach einer OP erleben, als Patient:innen der Kontrollgruppe. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse über alle Messzeitpunkte hinweg, dass Patient:innen unter dem Einfluss der App signifikant häufiger Aktivitäten des alltäglichen Lebens vollbringen können und weniger Einschränkungen im Alltag oder Sport erleben.

Weiterhin hat die Studie gezeigt, dass Ärzt:innen einen signifikant gesteigerten Struktur- und Versorgungseffekt berichten, wenn alley verwendet wird. Während des Aufnahmegespräches gaben Ärzt:innen an, dass Patient:innen der Interventionsgruppe mehr Kenntnisse und Wissen über die Erkrankung haben als Patient:innen der Kontrollgruppe, welche die edukativen Inhalte der alley App nicht nutzen konnten.

Die zusätzliche Nutzung von alley ermöglicht eine zeit- und ortsunabhängige Eingabe und Interpretation von medizinischen Daten und verbessert die medizinische Versorgung der Patient:innen. Mit dem nachgewiesenen positiven Versorgungseffekt der Studie kann die alley App zu jedem Zeitpunkt der orthopädischen Behandlung verschrieben und angewendet werden.

Die Studie befindet sich derzeitig im Peer-Review-Prozess zur Veröffentlichung in einem medizinischen Fachjournal.