Was genau verbirgt sich eigentlich hinter Nordic Walking und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Anja Karweit beantwortet diese und weitere spannende Fragen im Interview mit alley.

Autorin: Julia Bitz, Gesundheitswissenschaftlerin

Letzte Überprüfung: Mai 2022

alley arbeitet mit einer Vielzahl von Expert:innen und Sportler:innen zusammen. Um Ihnen Inspiration für einen bewegten Lebensstil zu bieten, stellen wir Ihnen im Rahmen von “alley bewegt” verschiedene Sportarten und Bewegungsangebote vor. Im Interview haben wir mit Anja Karweit darüber gesprochen, was genau bei Nordic Walking zu beachten ist und ob man diese Sportart auch mit Arthrose ausüben kann.

Anja Karweit ist seit über 20 Jahren im Gesundheitssport tätig und besitzt mehrere Trainerlizenzen. Als Nordic Walking Trainerin arbeitet sie schon viele Jahre und bietet Gruppen- sowie Einzeltraining an.

Liebe Frau Karweit,
was genau verbirgt sich hinter Nordic Walking?

Unter Nordic Walking versteht man das Walken, also das dynamische Gehen mit Stöcken. Durch die Stöcke bekommt der Mensch eine Art „Allrad-Antrieb“. Die Stöcke machen die Arme zu „Vorderbeinen“ und der Krafteinsatz des Oberkörpers sorgt dadurch ebenfalls für Vortrieb, genau wie die Beine. So wird Nordic Walking zu einem intensiven Ganzkörpertraining.

Die spezielle Nordic Walking Technik spricht insbesondere die Körperrückseite an. Es werden Muskelgruppen des Rückens und der Beine aktiviert, die in unserem Alltags- und Berufsleben eher passiv sind und wenig genutzt werden. Nordic Walking sorgt für eine Aufrichtung des Körpers, verbessert die Atmung und der Kalorienverbrauch ist höher als beim Walken ohne Stöcke.

Wie sind Sie zum Nordic Walking gekommen?

Meine Trainerausbildung im Gesundheitssport (B-Lizenz Prävention und Herz-Kreislauf) beinhaltete das Modul “Walking/Nordic Walking”. Danach wollte ich diese Sportart unbedingt für mich erlernen und auch unterrichten können. Ich war überrascht und begeistert von der Trainingsintensität des Nordic Walkens. Bis zu 90% der gesamten Muskulatur werden bei korrekter Technik beansprucht.

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Für mich ist Nordic Walking inzwischen Meditation in der Bewegung. Ein „Runterkommen“ – in der heutigen Zeit ein wichtiger Bestandteil des Alltags.

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Die Nordic Walking Technik so zu erlernen, dass der Sport ein Genuss wird und die Konzentration auf den Bewegungsablauf in den Hintergrund tritt – das ist anfänglich mühsam. Wenn ich die einzelnen Technik-Bausteine vernachlässigte, wurde das Nordic Walken zum Spazierengehen mit Stöcken. Das ist aber nicht das Ziel. Also hieß es in den ersten Wochen: üben, üben, üben. Und ich merkte, wie die Bewegung immer automatischer ablief und sich eine beschwingte Leichtigkeit in Verbindung mit Anstrengung einstellte.

Haben Sie Erfahrungen mit Nordic Walking bei Arthrose?

Ja, es kommen regelmäßig Teilnehmer:innen mit Arthrose in meine Kurse. Meistens auf ärztliche Empfehlung. Die gleichmäßige Bewegung fördert den Gelenkstoffwechsel, sodass das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt wird. Die Muskeln rund um das Gelenk werden gestärkt, das sorgt für mehr Stabilität im Gelenk. Wenn aufgrund von Übergewicht eine Gewichtsreduktion empfohlen wird, kann diese durch regelmäßiges Nordic Walking erreicht werden. Dies führt dann zur Entlastung von tragenden Gelenken. Ob Nordic Walking tatsächlich geeignet ist, ist individuell abhängig vom betroffenen Gelenk und dem Fortschritt der Arthrose.

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Kann Nordic Walking gut in den Alltag integriert werden? Wieviel Zeit wird benötigt?

Der große Vorteil von Nordic Walking ist, dass die Sportart jederzeit (bei Tageslicht) und bei jedem Wetter ausgeübt werden kann. Man kann vor der Haustür starten und durch die Stadt, Parks und Felder walken. Nimmt man die Stöcke mit in den Urlaub, kann man dort ebenso eine Runde drehen. Man kann sich einer Gruppe anschließen, mit einem Freund oder allein walken. Findet sich ein Zeitfenster von mindestens einer halben Stunde, so kann man spontan etwas für die eigene Gesundheit tun. Um die positiven Effekte zu spüren, sind zwei Einheiten pro Woche von ca. 45-60 Minuten eine gute Basis.

Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen, wenn ich mit Nordic Walking beginnen möchte?  

Nordic Walking ist für alle Interessierten geeignet und erlernbar, da es auf unsere natürliche Fortbewegung des Gehens aufbaut und somit ein geringes Anforderungsprofil besitzt. Wer lange Zeit sportlich nicht aktiv war, sollte einen ärztlichen Gesundheitscheck machen lassen. Die Intensität des Trainings kann jeder für sich steuern. Wer sich gerne in der freien Natur aufhält, wird Freude an diesem Sport haben. 

Was können Sie Menschen, die sich für Nordic Walking interessieren zum Einstieg konkret empfehlen?

Die positiven Gesundheitseffekte ergeben sich bei richtiger Ausführung. Die Nordic Walking Technik ist leicht zu erlernen, wenn einem die einzelnen Bausteine verständlich und praktisch nachvollziehbar erklärt werden. Das leistet ein Kurs unter qualifizierter Leitung oder ein Personaltrainer, beispielsweise hier zu buchen.

Die Stöcke sollten nach der ersten Kurs-/Personaltrainerstunde gekauft werden. Für die Stocklänge gibt es unter anderem eine Rechenformel, bezogen auf die Körpergröße. Diese berücksichtigt aber nicht kürzere oder längere Arme bei gleicher Körpergröße oder zum Beispiel Schulterprobleme. Bequeme, feste Schuhe mit gutem Profil, die nicht über den Knöchel gehen sind zu empfehlen.

In der „Lernphase“ empfehle ich 3-4 mal pro Woche in kürzeren Einheiten (20-25 Min.) konzentriert zu üben. So vermeidet man, dass sich Fehler aufgrund nachlassender Konzentration einschleichen.

Nordic Walking

  • Ausdauersportart an der frischen Luft
  • Weder zeit- noch ortsgebunden
  • Geeignet für Menschen jeden Alters und Fitness-Niveaus
  • Gruppen- oder Solosport
  • Geringe Investition in die Ausrüstung im Vergleich zu anderen Sportarten

Herkunft: Bereits in den 50er Jahren bauten Skilanglauf-Profis den „Skigang“ in ihr Sommertraining ein. Mitte der 90er Jahre kam es zu ersten Aktivitäten im Nordic Walking durch finnische Profisportler, Mediziner und der Sportindustrie. 1997 wurde der Begriff Nordic Walking geprägt. Technik-Varianten zum Nordic Walking sind Exerstriding, Stickwalking, Nordic Hiking.

Benötigte Materialien: Stöcke und Schuhe

Anforderungsprofil: gering

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